Tag 12
Eigentlich dachte ich, der heutige
Tag wäre mit 3 Zeilen erzählt. Doch da hatte ich mich geirrt.
Als ich morgens etwas blind vor
Schlaf aufwachte und aus dem offenen Kofferraum herauslugte wurde ich neben
strahlendem Sonnenschein von einem ebenso strahlenden, hellwachen Danilo
erwartet, der mir eine Bäckertüte entgegenstreckte, aus der es herrlich süß
roch. Guten Morgen auch! :)
Strengstens motiviert warf ich mir
ein paar Klamotten über, machte mich einigermaßen fit und gesellte mich an
unseren kleinen aber feinen Campingtisch. Dieses Morgenritual werde ich eines
Tages einmal sehr vermissen.
Hier sitzen wir, zu zweit, auf
unseren alten, etwas ausgerissenen, durchgesessenen Campingstühlen. Irgendwo
rauscht Wasser, das Meer. Die Äste wehen mit schwungvollen aber sanften
Bewegungen im Wind, werfen Schattenspiele in unsere mit einem Lächeln
überzogenen Gesichter. Es ist warm, es riecht nach Sommer. Ich spüre die
winzigen, puderfeinen Salzkristalle, wie sie sich in mein Haar, in mein
Gesicht, auf meine Lippen legen. Ich presse den Mund zusammen und schmecke sie.
Wie ein frischgeborenes Kalb freue ich mich über den salzigen Geschmack. Dann
höre ich das schönste aller Geräusche. Es kommt aus einer kleinen, silbernen
Box, eher eine Säule. Es ist Danilos Handkaffeemühle. Ich höre wie bei jeder
Umdrehung der Kurbel eine Bohne zwischen den scharfen Messern zermalmt wird.
Dieses feine, körnige Grummeln in der Mühle wie bei einem Kaffeegewitter ist
wohl der angenehmste Klang neben dem Rauschen des Meeres und bereitet mir
glückliche Ohren, wie auch immer dies möglich ist. Aber es funktioniert und es
entspannt ungemein.
Auch die braun gebrannten
Pampersbomber, die hier oberkörperfrei und mit lautem Geschrei durch die Gegend
flitzen, können diese unverwüstliche Ruhe nicht stören. Das, Freunde, das ist
Urlaub.
Nach einem überaus vorzüglichen
Frühstück bewegten wir uns 5 Meter nach unten an den Strand, wo wir noch den
halben Tag verbrachten.
Sich abkühlen, Steine
flitschen, auf die kuschelige Decke im Schatten legen, den dicken Bauch in die
Sonne strecken, lesen, Karten spielen, naschen, schlummern, repeat. Das
Procedere wiederholten wir einige Male, bis wir tiefenentspannt beschlossen nun
doch weiterzufahren. Auf dem Plan standen noch ein paar Kilometer, also los.
In Labin verpassten wir eine
Abfahrt und merkten es erst, als wir in Rabac standen. Nanu? Hier geht es
plötzlich gar nicht weiter? Also machten wir kehrt und versuchten zurück auf
die richtige Fährte zu kommen, was uns zunächst ein wenig schwer viel, so ganz
ohne Navi. Aber naja, was solls. Gehen wir erst einmal was essen. Manchmal will
es der Zufall einfach so, denn das Restaurant, das wir uns hier in Labin
herausgesucht hatten, das konnte so richtig was! Beste Hähnchenbrust,
Salzkartoffeln, Mensch, wie lange hatte ich das nicht mehr gegessen, und
Weißwein-Salbei-Sauce, na gibt’s denn sowas? Für manch einen mag das nach nicht
viel klingen, aber für einen Reisenden bedeutet es den Himmel auf Erden!
Wenn mich meine guten Manieren
nicht gebremst hätten, ich hätte doch glatt den Teller abgeschlabbert! Danach
servierte uns der nette Besitzer eigenhändig 2 unheimlich durchschüttelnde
Schnäpse, die uns wohl davor bewahren sollten, auf der Weiterfahrt
einzuschlafen. Unfassbar, wie viele Gesichtsmuskeln da plötzlich zum Vorschein
kommen, wenn man sich derart ekelt. Wir tauften das Gebräu auf den Namen
Todesschnaps und waren froh, als sich unsere Gesichter und die Geschmacksnerven
langsam beruhigten. Aber das war es wert!
So, jetzt aber weiter! Ab Plomin
führte unser Weg uns wieder durch ein heftiges Gebirge, das wir so nicht auf
den Schirm hatten. Diese Ausblicke, da blieb einem ja glatt die Spucke weg! Und
dazu der langsam aufsteigende Mond! Das war eine Delikatesse der anderen Art
und Weise. Leider waren wir etwas spät dran, doch selbst in der Dunkelheit war
es wunderschön. Unten das Meer, auf dem still und leise kleine Segelboote im
Mondlicht schipperten, darin herausragend die weiß-grauen Felsen, die aussehen,
als hätte ein kleines Kind nassen Sand durch seine Finger tropfen lassen,
zugedeckt von Nadel- und Laubwäldern, Gestrüpp und kleinen Siedlungen. Wer hier
lebt, dem geht es bestimmt nicht schlecht.
In Medveja fanden wir schließlich
einen Endpunkt für diesen Tag. Da wir zu müde und zu kaputt waren, um uns einen
illegalen, blickgeschützten Stellplatz zu suchen, kehrten wir nochmals auf
einem Campingplatz ein, suchten uns ein ruhiges Plätzchen irgendwo ganz hinten
und stellten Flip dort ab. Im Himmel über uns sahen wir ein großes Licht, dass
sich partout nicht bewegte, darüber strahlte der Große Wagen und sämtliche
andere Sternenbilder am klaren Nachthimmel. Wir würden morgen schon
herausfinden, was das war. Dann legten wir das Bett aus und machten alles
fertig, sodass wir nur noch in unser gemütliches Schlafnest krabbeln mussten.
Doch zuvor spazierten wir, um noch ein wenig frische Nachtluft zu schnappen,
ans Meer.
Direkt am Meer waren urgemütliche
Strandliegen, Sessel und Körbe aufgebaut. Den einen Korb suchten wir uns
heraus, er stand auf einem Steg, der ins Meer ragte. Auf ihm ließen wir uns
nieder und starrten in den nachtschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen
und beamten uns in die Unendlichkeit der Entspannung. Bevor uns die Lieder
zufielen, machten wir auf, zurück zu Flip, hüpften hinein und schliefen in
einem Zug bis zum nächsten Morgen durch.
Impressionen auf dem Weg:
na was ist denn was für eine
Rakete?
...


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen