Dienstag, 26. Juli 2016

Weißweinsauce und andere Delikatessen



Tag 12
Eigentlich dachte ich, der heutige Tag wäre mit 3 Zeilen erzählt. Doch da hatte ich mich geirrt.

Als ich morgens etwas blind vor Schlaf aufwachte und aus dem offenen Kofferraum herauslugte wurde ich neben strahlendem Sonnenschein von einem ebenso strahlenden, hellwachen Danilo erwartet, der mir eine Bäckertüte entgegenstreckte, aus der es herrlich süß roch. Guten Morgen auch! :)
Strengstens motiviert warf ich mir ein paar Klamotten über, machte mich einigermaßen fit und gesellte mich an unseren kleinen aber feinen Campingtisch. Dieses Morgenritual werde ich eines Tages einmal sehr vermissen.

Hier sitzen wir, zu zweit, auf unseren alten, etwas ausgerissenen, durchgesessenen Campingstühlen. Irgendwo rauscht Wasser, das Meer. Die Äste wehen mit schwungvollen aber sanften Bewegungen im Wind, werfen Schattenspiele in unsere mit einem Lächeln überzogenen Gesichter. Es ist warm, es riecht nach Sommer. Ich spüre die winzigen, puderfeinen Salzkristalle, wie sie sich in mein Haar, in mein Gesicht, auf meine Lippen legen. Ich presse den Mund zusammen und schmecke sie. Wie ein frischgeborenes Kalb freue ich mich über den salzigen Geschmack. Dann höre ich das schönste aller Geräusche. Es kommt aus einer kleinen, silbernen Box, eher eine Säule. Es ist Danilos Handkaffeemühle. Ich höre wie bei jeder Umdrehung der Kurbel eine Bohne zwischen den scharfen Messern zermalmt wird. Dieses feine, körnige Grummeln in der Mühle wie bei einem Kaffeegewitter ist wohl der angenehmste Klang neben dem Rauschen des Meeres und bereitet mir glückliche Ohren, wie auch immer dies möglich ist. Aber es funktioniert und es entspannt ungemein.
Auch die braun gebrannten Pampersbomber, die hier oberkörperfrei und mit lautem Geschrei durch die Gegend flitzen, können diese unverwüstliche Ruhe nicht stören. Das, Freunde, das ist Urlaub.

Nach einem überaus vorzüglichen Frühstück bewegten wir uns 5 Meter nach unten an den Strand, wo wir noch den halben Tag verbrachten.
Sich abkühlen, Steine flitschen, auf die kuschelige Decke im Schatten legen, den dicken Bauch in die Sonne strecken, lesen, Karten spielen, naschen, schlummern, repeat. Das Procedere wiederholten wir einige Male, bis wir tiefenentspannt beschlossen nun doch weiterzufahren. Auf dem Plan standen noch ein paar Kilometer, also los.

In Labin verpassten wir eine Abfahrt und merkten es erst, als wir in Rabac standen. Nanu? Hier geht es plötzlich gar nicht weiter? Also machten wir kehrt und versuchten zurück auf die richtige Fährte zu kommen, was uns zunächst ein wenig schwer viel, so ganz ohne Navi. Aber naja, was solls. Gehen wir erst einmal was essen. Manchmal will es der Zufall einfach so, denn das Restaurant, das wir uns hier in Labin herausgesucht hatten, das konnte so richtig was! Beste Hähnchenbrust, Salzkartoffeln, Mensch, wie lange hatte ich das nicht mehr gegessen, und Weißwein-Salbei-Sauce, na gibt’s denn sowas? Für manch einen mag das nach nicht viel klingen, aber für einen Reisenden bedeutet es den Himmel auf Erden!

Wenn mich meine guten Manieren nicht gebremst hätten, ich hätte doch glatt den Teller abgeschlabbert! Danach servierte uns der nette Besitzer eigenhändig 2 unheimlich durchschüttelnde Schnäpse, die uns wohl davor bewahren sollten, auf der Weiterfahrt einzuschlafen. Unfassbar, wie viele Gesichtsmuskeln da plötzlich zum Vorschein kommen, wenn man sich derart ekelt. Wir tauften das Gebräu auf den Namen Todesschnaps und waren froh, als sich unsere Gesichter und die Geschmacksnerven langsam beruhigten. Aber das war es wert!

So, jetzt aber weiter! Ab Plomin führte unser Weg uns wieder durch ein heftiges Gebirge, das wir so nicht auf den Schirm hatten. Diese Ausblicke, da blieb einem ja glatt die Spucke weg! Und dazu der langsam aufsteigende Mond! Das war eine Delikatesse der anderen Art und Weise. Leider waren wir etwas spät dran, doch selbst in der Dunkelheit war es wunderschön. Unten das Meer, auf dem still und leise kleine Segelboote im Mondlicht schipperten, darin herausragend die weiß-grauen Felsen, die aussehen, als hätte ein kleines Kind nassen Sand durch seine Finger tropfen lassen, zugedeckt von Nadel- und Laubwäldern, Gestrüpp und kleinen Siedlungen. Wer hier lebt, dem geht es bestimmt nicht schlecht.

In Medveja fanden wir schließlich einen Endpunkt für diesen Tag. Da wir zu müde und zu kaputt waren, um uns einen illegalen, blickgeschützten Stellplatz zu suchen, kehrten wir nochmals auf einem Campingplatz ein, suchten uns ein ruhiges Plätzchen irgendwo ganz hinten und stellten Flip dort ab. Im Himmel über uns sahen wir ein großes Licht, dass sich partout nicht bewegte, darüber strahlte der Große Wagen und sämtliche andere Sternenbilder am klaren Nachthimmel. Wir würden morgen schon herausfinden, was das war. Dann legten wir das Bett aus und machten alles fertig, sodass wir nur noch in unser gemütliches Schlafnest krabbeln mussten. Doch zuvor spazierten wir, um noch ein wenig frische Nachtluft zu schnappen, ans Meer.

Direkt am Meer waren urgemütliche Strandliegen, Sessel und Körbe aufgebaut. Den einen Korb suchten wir uns heraus, er stand auf einem Steg, der ins Meer ragte. Auf ihm ließen wir uns nieder und starrten in den nachtschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen und beamten uns in die Unendlichkeit der Entspannung. Bevor uns die Lieder zufielen, machten wir auf, zurück zu Flip, hüpften hinein und schliefen in einem Zug bis zum nächsten Morgen durch.


Impressionen auf dem Weg: 
na was ist denn was für eine Rakete?
...
...aaaah, ein Kohlekraftwerk...und eine Burg :) 

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