Tag 1
Morgens halb 10 in Deutschland. Die letzten Notwendig- und Habseligkeiten werden im Auto verstaut. Ein kurzes Abschiednehmen und dann geht's schon los - Abfahrt!
Wir haben uns den perfekten Tag ausgesucht: Freitag und Ferienanfang. Natürlich dauerte es nicht lange und wir standen im ersten Stau. Das kümmerte uns allerdings nur im sehr geringen Rahmen, wir haben doch Urlaub!
Anstatt 2 lächerlichen Stündchen brauchten wir eben mal 4 Kaugummistunden bis nach Forbach. Forbach!? Jawohl! Die erste Station auf unserem Trip und auf dem Weg zu einer ganz besonderen Straße. Wer den Schwarzwald kennt, der kennt vielleicht auch die Hochwaldstraße. Beliebt vor allem bei Motorradfahrern, aber auch Wanderern, Naturfanatikern und im Winter Schneesportverrückten. Wir kamen her, um an unseren Platz zu fahren. Ein zunächst nichts sagender Schotterplatz. Doch auf der Spitze steht ein Holztisch mit 2 Bänken. Von diesem Platz aus hat man die beste Aussicht über eine gigantische Fläche aus Bergen, kleinen Dörfern, einem Steinbruch, tiefstem Wald, saftigen Wiesen und den leuchtensten Blumen der Welt, die vor den dunkelgrünen Tannen nur so strahlen! Die Spiele zwischen Sonne und Wolken werfen tolle Schattenspiele in die Landschaft aus tiefen Tälern und hohen Berggipfeln, lassen dabei jene Fleckchen, die in Sonnenstrahlen getaucht werden, aufleuchten. Dazu ein Stückele Brot und ein Würfele besten Gouda Mittelalt; Freunde, hier ist die Welt in Ordnung!
Wir hätten ewig hier bleiben können, doch wir hatten ja noch ein weiteres Tagesziel zu erreichen. Nachdem wir uns an der Schönheit des Schwarzwaldes einigermaßen satt gesehen hatten, folgten wir der Route weiter Richtung Bodensee. Unterwegs entdeckten wir nicht selten Wege und Pfade, die wir Anfang des Jahres auch auf unserer Tour durch Süddeutschland gelaufen sind. Es ist schon der blanke Wahnsinn jetzt einmal zu sehen, wo man vor knapp einem halben Jahr herumgewandert und welche Strecke man dabei zurückgelegt hat!
Gegen Nachmittag schimmerte eine tiefblaue, wellige Oberfläche durch die dichten Hecken am Straßenrand. Na, da ist er ja, der Bodensee! Das heißt quasi Endstation für heute! Nun müssen wir nur noch ein schönes Plätzchen finden, an dem wir unseren Grill aufstellen und unser Nachtlager aufschlagen können. Nach ausgiebiger Suche beschlossen wir daraus 2 separate Standorte zu machen und so grillten wir mit Blick auf den Bodensee, im sanften Licht des Sonnenuntergangs und der gaumenschmeichelnden Erfrischung taufrischen Bieres - herrlich, Kinder, herrlich! Die lange Suche hat sich absolut bezahlt gemacht!
Ein junger polnischer LKW-Fahrer, David, leistete uns Gesellschaft. Er sprach wenig Deutsch, wir noch weniger Polnisch, doch irgendwie schafften wir es ein Gespräch auf die Beine zu stellen. Die einzigen deutschen Worte, die David sicher aussprechen konnte, waren "Regen", "Scheiße", "Kalt". Damit war wohl auch alles gesagt, was zum deutschen Sommer zu sagen war. Wir stießen auf den schönen Abend an und ich trank mein erstes polnisches Bier.
Als die Sonne ganz hinter dem Berg verschwunden und es merklich kälter geworden war, verabschiedeten wir uns von David und fuhren unseren Schlafplatz in wenigen Metern Entfernung an. In direkter Angrenzung an einen großen Campingplatz befand sich ein Schotterplatz, der wie für uns gemacht schien. Bloß ein paar andere modifizierte Häuser auf vier Rädern hatten sich hier für die Nacht eingefunden, darunter 2 T1er Bullis, die mir pochende Herzchen in die Augen und ein inneres Blumenpflücken in die Magengegend zauberten!
Um den halben Liter polnischen Bieres und den damit verbundenen leichten Schwips leichter zu verarbeiten, entschlossen wir uns, nachdem wir das Bett fertig gemacht hatten, für einen kleinen Spaziergang in das Städtchen Hagnau, von wo wir schon von weitem tanzbare Volksmusik wahrgenommen hatten. Nichts wie hin da! Nach Fett duftende Pommesbuden, glitzernde Weinstände, wild wirbelnden Knäulen aus Menschen, die ihren Walzer-Crashkurs von 1983 zum Besten gaben und eine Gute-Laune-Band, die wahrscheinlich schon als Vorband beim allerersten Konzert der Beatles gespielt haben (das soll jetzt nicht auf die Qualität der Musik, sondern auf das fortgeschrittene Alter der grabflüchtigen Band aufmerksam machen) - ein richtig schönes Dorffest. Ein nächtlicher Spaziergang am Wasser, der uns zurück zum Auto führte, stimmte uns entspannt. Jetzt aber ab in die Heia!
Impressionen:















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen