Irgendwas reißt mich aus dem Schlaf. Eine Melodie. Ein Weckton. Meine Augen, noch total verklebt und dick blinzeln und ich versuche mich an das helle Licht zu gewöhnen. Ich liege nicht in Flip, ich liege auch nicht im Zelt. Wo bin ich?! Langsam dämmert es mir und ich erinnere mich. Neben mir liegt ein verpennter Danilo, dem es ganz ähnlich geht wie mir. Aber nach ein paar Minuten hatten wir unsere Gedanken gefasst und wagten uns aus dem Bett aufzustehen. Etwas wackelig, halb schlaftrunken, aber es klappt. Eine Dusche hilft.
Relativ fit und wieder unter den Lebenden, im Gegensatz zur Nachbarschaft, die keinen Mucks von sich gibt. Selbst nicht, als wir Flip wieder bepacken, herein und herauslaufen. Ein ganz schön verschlafenes Nest hier. Nur Benno, der alte, gemütliche Hund der Besitzerin zeigte Interesse an uns und schlich uns mit wedelndem Schwanz durch die Beine, während wir versuchten in die Pötte zu kommen. Bald war alles verstaut und wir startklar. Eine kurze Verabschiedung von Benno und ab dafür!
Ich muss zugeben, ich war schon ziemlich aufgeregt bezüglich des heutigen Ausflugs. Zwar hatte ich schon viel von den Plitvicer Seen gehört, konnte mir aber doch kein rechtes Bild davon machen, was uns erwarten würde. In einem Prospekt wurden wir von Bären, Wölfen, ja sogar von Spechten gewarnt. Na, mal abwarten.
Bald erreichten wir den Eingang und parkten Flip auf Parkplatz 1. Danach suchten wir die Kasse auf und ließen einen stolzen Preis zurück, dafür hielten wir 2 Eintrittskarten für den wohl zumindest flächenmäßig größten Nationalpark Kroatiens in den Händen. Für Studenten gab es einen ansehnlichen Nachlass. Doch bevor wir den Park betraten, entschlossen wir uns auf mehrfachen Rat unser Schuhwerk zu wechseln. Etwas gequält legten wir unsere geliebten Flipflops ab und ersetzten sie durch mehr oder minder festes Schuhwerk. Jetzt konnte es aber losgehen!
Der älteste Nationalpark Südeuropas, das war er also. Ebenso einer der wichtigsten und bekanntesten Drehorte aus den Winnetou-Filmen. Wollen wir doch mal sehen, was der so zu bieten hat!
Über einen hölzernen Steg wird man in den Nationalpark hineingeführt - eigene Pfade bestreiten ist hier natürlich untersagt und das ist wohl auch ganz gut so, bei einer durchschnittlichen Summe von 1 Mio. Besucher pro Jahr gibt es genug Nasen, die hier sonst ein draus machen würden, zu Lasten der Natur und der Tiervielfalt. Die ersten Aussichtspunkte waren bereits, im wahrsten Sinne des Wortes, a.t.e.m.b.e.r.a.u.b.e.n.d. und so konnte man keinen Besucher verurteilen, wenn er mit offenem Mund stehenblieb, um die Pracht dieses erdischen Paradises zu begreifen.
So sehr man auch versucht diese Sicht fotografisch festzuhalten, es gelingt einem doch nicht. Denn es ist mehr als nur die blanke Optik, die sich hier auf die Sehnerven herablässt und die Nervenströme des Gehirns durcheinanderbringt.
Eine kleine Gänsehaut kündigte sich jedes Mal von neuem an, wenn ich das Ausmaß an grüner und blauer Fülle, an perfekter Entfaltung der Natur auf mich wirken ließ. Man beachte, dass wir leider nicht das Glück hatten, das alles in strahlendem Sonnenschein, sondern eher unter dicken Wolken und Nieselregen zu bestaunen, und trotzdem wirkte dieser Zauber. Vielleicht auch gerade deswegen. Der Weg führte uns an einem glasklaren See nach dem anderen, einem reißenden Wasserfall nach dem nächsten und einer Gänsehaut nach der weiteren vorbei.
Schließlich gelangten wir an den ersten Rastplatz und da wir nicht genügend Proviant eingepackt hatten, wollten wir uns hier, in dem überteuerten Restaurant eine Kleinigkeit gönnen. Wie es sich gehört, war der Burger, den wir uns teilten, teuer, eklig und kalt. Aber für den Moment gaben unsere Bäuche Ruhe.
Außerdem überbrückten wir damit die Wartezeit für das Boot, das uns ein Stück über einen der Seen kutschieren sollte. Das tat es auch, aber ich habe niemals zuvor etwas derartig langweiliges und bescheuertes getan.
Während sich ring um uns herum die dollsten Naturspektakel, die irrsinnigsten Fels- und Pflanzformationen rekelten, um von uns bestaunt zu werden, saßen wir mit einem Schwarm an Selfie-Königen und -Königinnen auf einem schwimmenden Untergrund in mitten eines Sees und bekamen von all der Faszination keinen Wind mit. Darum waren wir froh, als wir von dem Ding herunterkamen und uns unseren Weg wieder selbst suchen konnten, denn die Verzweigungen der Wanderwege waren vielfältig. Ab jetzt liefen wir in die Richtung, die uns gefiel und entdeckten überall tolle und einzigartig schöne Plätze. Wir wussten ja nicht, dass wir auf das Boot noch einmal angewiesen sein würden.
Stundenlang liefen wir umher und ließen die Kraft und die Magie des Nationalparks auf uns wirken, bis unser Wasservorrat aufgebraucht, unsere Füße platt gelaufen und unsere Speicherkarte im Hirn bis zum letzten Kilobyte gefüllt waren.
Nun wollten wir langsam den Rückweg antreten und begaben uns wieder zurück Richtung Wasser, zurück Richtung Boot.
Oh Schreck, wurde uns bewusst, dass man bloß 1x frei Bootfahren darf. Erkaufen kann man sich die Fahrt auch nicht. Wie gut, dass wir unsere Freifahrt für das Umherschippern über den See verballert hatten, anstatt es für die Überfahrt des keinen Stücks hier zu nutzen, das uns nun einen 1-stündigen Umweg bescherte und eine zusätzliche, aber kostenfreie Fahrt mit der Elektrobahn. Den Umweg hätten wir wohl auch lieber in Kauf genommen, wäre uns das Wasser nicht ausgegangen, vor allem, wenn es so warm und schwül ist und die Wasserflasche selbst eher eingeht, als einen letzten, erfrischenden Tropfen Nass auszuspucken.
Oh Schreck, wurde uns bewusst, dass man bloß 1x frei Bootfahren darf. Erkaufen kann man sich die Fahrt auch nicht. Wie gut, dass wir unsere Freifahrt für das Umherschippern über den See verballert hatten, anstatt es für die Überfahrt des keinen Stücks hier zu nutzen, das uns nun einen 1-stündigen Umweg bescherte und eine zusätzliche, aber kostenfreie Fahrt mit der Elektrobahn. Den Umweg hätten wir wohl auch lieber in Kauf genommen, wäre uns das Wasser nicht ausgegangen, vor allem, wenn es so warm und schwül ist und die Wasserflasche selbst eher eingeht, als einen letzten, erfrischenden Tropfen Nass auszuspucken.
Ziemlich dehydriert und platt erreichten wir endlich den Startpunkt und ein weiterer kleiner Marsch führte uns zurück zu unserem Flip, in dem wir unseren Durst stillen konnten. Von all den Strapazen die letzte Stunde ließen wir uns die gesammelten Eindrücke natürlich nicht kaputt machen - es war ein sagenhafter Ausflug und ich kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen.
Woher ihr die Plitvicer Seen kennt? Na, vielleicht aus den Winnetou Filmen. Der berühmt berüchtigte Silbersee liegt im Gebiet des Nationalparks und viele weitere bekannte Drehorte befinden sich hier.
Nun, abschließend lässt sich nur eine Glanznote für den Ausflug aussprechen: Summa cum laude für die Plitvicer Seen.
Jetzt aber wartete der Rückweg auf uns, der bei Tageslicht jedoch wesentlich angenehmer zu bewältigen war. In Klenovica, einem kleinen Ort in der Kvarner Bucht, unweit von Rijeka entfernt, fanden wir den optimalen Platz zum Nächtigen. Zuerst erblickten wir ebene Fläche unten am Strand, was hier in Kroatien ja nicht all zu oft vorkommt. Beim zweiten Blick erkannten wir, dass dort unten Camper standen und wurden neugierig. Also versuchten wir irgendwie dort hinunter zu kommen, was zunächst gar nicht so einfach war. Erst über eine wirklich fiese Steinpiste ruckelten wir uns den richtigen Weg nach unten und begutachteten den Platz. Dann erst lasen wir die Nummernschilder der anderen Camper, natürlich waren es Deutsche. Aus Sachsen. Mit einer Sprachbarriere der anderen Art erkundigten wir uns nach der Lage und der Übernachtungsmöglichkeit und ehe wir uns versahen, war Flip geparkt, unsere Campingstühle neben dem Lager der Anderen aufgestellt und wir vollstens in die Urlaubsgemeinde integriert. Diese bestand aus 2 deutschen Familien mit je 2 Kindern, einem Hund mit Stimmungsschwankungen, einem jungen, französischen Pärchen und ein Paar einheimischen Anglern. Mit einer Mischung aus Deutsch, Sächsisch, gebrochenem Französisch und abenteuerlichem Englisch auf Akzent führten wir eine Konversation über Gott und die Welt, die bis in die Nacht hinein andauerte. Nebenher angelten die Kinder in der Adriaküste und wir alle waren Zeugen, wie die kleine Meggy ihren ersten, eigenen Fisch angelte. Welch ein Erfolg!
Es war ein gemütliches und nettes Beisammensitzen und für uns wieder einmal die Bestätigung, das Reisen keine Alterssache ist. Ich meine sogar, die Kinder hatten hier mehr Spaß als in einer Ferienanlage mit Kinderdisco und Animation. Jedenfalls war es schön ihnen zuzusehen. Doch irgendwann packte uns die Müdigkeit. Ein Abend unter freiem Sternenhimmel, in guter Gesellschaft und Sternschnuppen, das nenne ich eine gelungene Abrundung des Tages. Wir verabschiedeten uns und verkrochen uns in unsere Löwenhöhle. Ich muss ja schon zugeben, ich hatte Flip und seinen imaginären Komfort in der letzten Nacht doch etwas vermisst.

























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