Samstag, 30. Juli 2016

Schee Bled

Tag 16

Die Sonne schien durch die Autoscheiben und leuchtete die winzigen, umherfliegenden Staubkörnchen an, als seien es Glitzerpartikel, die federleicht und unbeschwert durch den Innenraum von Flip schwebten und als sei es deren einzige Aufgabe zu funkeln und zu glänzen. Guten Morgen!

Wir hatten ausgezeichnet geschlafen und waren motiviert mit Tatendrang in den Tag zu starten. Was uns jedoch noch fehlte, war ein Frühstück. Doch nichts leichter als das, wir waren schließlich in einer Stadt! Zu Fuß suchten wir den Stadtkern auf und deckten uns in einer Bäckerei mit köstlichen Leckereien ein. Den Rückweg zum Auto dehnten wir etwas aus, um die sehenswerte, kleine Stadt etwas besser kennenzulernen. Besonders die Kapuzinerbrücke, die über die Sora geht, präsentierte sich in ihrem vollen Glanz und gleichzeitiger Bescheidenheit.

Satt von Eindrücken liefen wir zurück zu Flip und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Bled und dem gleichnamigen See. Da wir recht früh dran waren, erreichten wir die Stadt und genau weil wir so viel Zeit hatten, genehmigten wir uns einen schönen, schattigen und ruhigen Stellplatz auf dem Campingplatz. So mussten wir uns um keinen Parkplatz kümmern, uns nicht um Duschen und Toiletten sorgen und konnten den ganzen Tag nutzen, ohne uns um irgendetwas kümmern zu müssen.

Natürlich ging unser erster Gang an den Bleder See, an dem wir einige Stunden einfach nur faul herumlagen. Alles, was wir zu tun hatten, war die gelegentliche Wendung vom Rücken auf dem Bauch und umgekehrt, damit wir nicht verbrannten. Wenn es doch zu heiß wurde, tapsten wir ans Wasser und schwammen eine Runde in dem eiskalten Wasser. Es war derart kalt, dass wir bestimmt 10 Minuten brauchten, um bis zum Hals im See zu stehen, mit einem Ausdruck im Gesicht, der pures Leiden, aber stahlharte Disziplin ausdrückte. Füße im Wasser - okay. Knie im Wasser - oohokay. Oberschenkel - kaaaalt! Rest - wir müssen sterben! Kaum zu glauben, dass die kleinen Kids mit Anlauf in den kalten See sprangen, ohne mit der Wimper zu zucken. Von ihnen könnten wir noch einiges lernen.

In der brütenden Nachmittagshitze packten wir zusammen und verließen den See, um unsere Skateboards zu holen. Wir wollten die Gelegenheit schließlich nicht verpassen, eines der wichtigsten Wahrzeichen der Region zu besichtigen: Die Burg von Bled. 

Bereits von unserem Strand am See aus konnten wir das mächtige Bauwerk, das auf einem herausragenden Felsen erbaut wurde, von dem man einen hervorragenden Blick über den ganzen See und das drum herum ausschweifende Gebirge hat, bestaunen. Mit unseren Brettern fuhren wir den einwandfreien Fuß- und Fahrradweg am Ufer entlang. Danach erstreckte sich der überaus herausfordernde Anstieg zur Burg. Der Weg war ziemlich steil und beschwerlich. Es kostete uns einige Ausdauer und unzählige Schweißperlen, bis wir den Eingang erreichten. Nass und keuchend erkauften wir uns den Eintritt und krochen zur Bar, an der wir uns zwei Kaltgetränke sicherten, die uns die Lebensgeister zurückbrachten. Beim Softdrink-Schlürfen genossen wir den eben beschriebenen Ausblick. Nichts als dunkles, klares Wasser, Ruderboote und Badegäste, Wald und Gebirge und der helle, hohe Himmelskörper, der für die angenehme Hitze sorgte.


Akklimatisiert und mit Zucker versorgt, fanden wir bald die Kraft die Burg weiter zu besichtigen. Leider gab es hier keine Instruktionen, wie auf der gestrigen Burg. Wir waren wohl zu verwöhnt, was unsere mäßige Begeisterung, ja schon fast Enttäuschung erklären würde. Einige Sehenswürdigkeiten waren um die jetzige Uhrzeit bereits geschlossen und so wurde uns beispielsweise der sicherlich sehr interessante Einblick in die Schmiede verwehrt. Doch waren wir so glücklich, dass wir die Druckerei noch besichtigen konnten und lauschten dem jungen Mann in traditioneller Garderobe, der uns über die altertümliche Kunst des Buchdrucks aufklärte. Als der Name Johannes Gutenberg fiel, konnten wir nur müde lächeln, denn den kannten wir aus Gründen unserer Herkunft doch recht gut. Auch die Burgkapelle war einen Ausflug wert, obgleich wir uns den Eingang erkämpfen mussten, fand heute doch ein Konzert im Hofe der Burg statt. Der Soundcheck klang in unseren Ohren betäubend und grausam, weswegen wir keinen Wunsch hegten, dieses umworbene Event am späteren Abend zu besuchen. Wir verdrückten uns in die umliegenden Räumlichkeiten und versuchten die Geschichte der Burg zu erkunden. Was uns leider nicht so wirklich gelang, denn die Baut wurde an den meisten Stellen so sehr modernisiert, dass dieses so geschätzte Gefühl, sich in die damalige Zeit hineinversetzen zu können, nicht aufkam. Dennoch waren die Sicht, das bisschen Altertum, was noch übrig geblieben war, und die geschichtlichen Fetzen, die wir erfahren konnten, sehr einnehmend.









Die Mühen, die wir aufgewendet hatten, um den Fels am Nachmittag zu besteigen, wurden jetzt, am Abend mit einem hinabschiebenden Abstieg voller Entspannung belohnt. Danilo rollte mehr, als dass er lief, ich hingegen beobachtete sein Tun mit deutlich geringerer Geschwindigkeit. Unten angekommen, rollten wir dann zusammen zurück zum Campingplatz und freuten uns über eine seifenlastige Abkühlung in den Duschanlagen der Anlage. Anschließend gab es Abendessen - 2 Liter Suppe hatten wir noch im Gepäck, und die wollte nun endlich verdrückt werden. Mit dem letzten Gramm Gas bereiteten wir den "Gaumenschmaus" zu. Wenigstens konnten wir so das knochenharte Brot aufweichen und verdrücken. Im Leben werde ich wohl niemals wieder Gelüste nach Lauchsuppe haben.

Als der Abend sich neigte und das Tageslicht mit einem gewaltigen Happs verschluckte, halfen wir uns mit einer natürlichen Lichtquelle aus. Neben unserem kompakten Wohnmobil lagen ein paar große Steinbrocken. In unmittelbarer Entfernung stand ein Grill und dazugehörige Kohle und Grillanzünder, die die Besitzer hier zurückgelassen hatten. Daran bedienten wir uns mäßig und errichteten eine Feuerstelle, die uns in der recht kühlen Nacht Wärme und Licht spendete, sodass wir unserer täglichen Dosis Kartenspielen nachkommen konnten. 

Was ein Tag! Und morgen sollte es nicht minder schön werden!

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