Mittwoch, 20. Juli 2016

Wir vs. Massentourismus

Tag 6
Mit ein bisschen Pipi in den Augen räumten wir am Morgen unseren liebgewonnenen Parkplatz und verabschiedeten uns von Porto. Nächste Anlaufstelle war Sirmione. Der untere Zipfel des Gardasees. Hier sollte man einen tollen Blick auf den See haben. Also fuhren wir auf mehrmalige Empfehlung gen Süden. Was uns erwartete, war ein riesiger Parkplatz, 10 Millionen Menschen ohne Koordination, schreiende Babys und eine Burg. Letztere war auch so ziemlich das einzig schöne, was wir hier fanden. Und natürlich die Nagnags, denen wir, wie immer, unser letztes Brot gaben. :)



Trotzdem gaben wir der Touristenattraktion eine Chance. Wir liefen kreuz und quer über diese Art Landzunge und was wir fanden waren bloß ausgetrocknete Wiesen, eine Bimmelbahn mit finster einher blickenden Eltern und motzenden Kindern, volle Windeln, Glasscherben am Ufer und eine Kläranlage in ihrer Blütezeit. Alles klärchen, haha, wir hauen wieder ab! Denn zum Glück können wir ja in einem solchen Fall einfach in unser Auto einsteigen und weiterfahren. Wir folgten unserer Route nun weiter bis nach Verona. Die Stadt von Romeo & Julia. Die Stadt mit der fantastischen Arena von Verona. Die Stadt mit den vielen süßen Restaurants, romantischen Hausfassaden und Kopfsteinpflaster.
Zuerst knöpften wir uns die Arena vor. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich einst schon einmal vor knapp 10 Jahren mit meiner Schulklasse hier gewesen war. Damals interessierten wir uns bloß für die Shoppingmeile und McDonald's; auf Kultur gaben wir nichts. Heute aber waren wir wahnsinnig gespannt und erkauften uns 2 Tickets, um dieses massive, antike Bauwerk, zu dem sich einige, wilde Gladiatorengeschichten und Heldentaten in unseren Köpfen zusammenspannen, von Innen zu sehen. Der Anblick allerdings war ernüchternd und karg. Sie waren gerade dabei die letzten Requisiten einer Opernaufführung aus der Arena zu räumen. Überall standen Bauzäune und Absperrbänder herum. Die Bestuhlung machte es sehr schwer sich die damaligen Schlachten und das grausame Leben der Gladiatoren vorzustellen. Auch spendeten die dicken Gemäuer nicht die gewünschte und erwartete Abkühlung, auf die wir uns so gefreut hatten.




Kurzerhand befanden wir die soeben gezahlten 20€ Eintritt als überaus unangebracht, ärgerten uns aber nicht weiter und suchten die zweite Sehenswürdigkeit auf, die auf unserer Liste stand. Der Balkon der Julia. Kaum dass wir in die Nähe des Balkons kamen, der in einem, so wie ich es in Erinnerung hatte, verträumten Hinterhof liegt, wurde die Traube an Menschen immer größer. Es war nur spärlich möglich überhaupt einen Blick auf die Statue der Julia, der man warum auch immer über die letzten Dekaden die rechte Brust wundgerieben hatte, zu werfen. 
Wie auch schon zuvor, entschlossen wir uns auch hier wieder nicht lange zu fackeln und weiterzuziehen. 




Lieber schauten wir uns ein wenig die Stadt an und suchten bald darauf einen Weg zu unserer heutigen Endstation: Chioggia. Suchen - ein gutes Stichwort, denn eine freie Straße nach Chioggia zu finden, war wahrhaftig gar nicht so einfach. Eine unerklärliche Baustelle verweigerte uns die Zufahrt und die Umleitung war derart unlogisch, dass wir ein paar Mal im Kreis fuhren, bis wir schlussendlich den richtigen Weg fanden. Wenigstens konnten wir uns an einem bezaubernden Sonnenuntergang, der die Felder ringsherum in Tequila Sunrise färbte und eine märchenhafte Idylle zauberte, erfreuen. Ein paar Runden Stadt-Land-Fluss hielten uns derweilen bei Laune.



Etwas gerädert und verpeilt kamen wir am späten Abend in Chioggia an. Wie gut, dass Danilo schon im Vorfeld einen günstigen Campingplatz im Internet herausgesucht hatte. Den mussten wir nun bloß noch finden. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten fanden wir unseren Parcheggio dal Padoan. Keine Minute zu früh, denn der einzige Wächter mit zumindest ein paar englischen Sprachkenntnissen war gerade im Begriff Feierabend zu machen. Mit ihm vereinbarten wir, dass wir hier nicht nur übernachten, sondern das Auto auch am morgigen Tag stehen lassen dürfen, während wir uns Venedig anschauen würden. Perfekt! Der äußerst aufgeschlossene Kerl ließ uns außerdem wissen, dass er auch einmal in Deutschland gewesen sei. "Oktoberfest, weißt du? Augustiner, Paulaner! Hübsche Mädchen!" Dann gab er zu, dass er sich aber an rein überhaupt nichts mehr erinnern könne! Muss wohl gut gewesen sein! :D  

Nachdem er uns noch von seinen beiden Hunden eins aufs Ohr gedrückt hatte, verschwand er. Wir hingegen freuten uns über eine wohlverdiente und dringend notwendige Ganzkörperreinigung. 3 Minuten Duschen - 1 Euro. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mir mal 3 Minuten Duschzeit mit jemandem teilen würde, doch es klappte tatsächlich und anschließend fühlten wir uns wenigstens für 10 Minuten nicht eklig. Den Abend ließen wir dann mit Sekt, Brezeln und Kartenspielen ausklingen, bis sich die Luft gegen halb 1 allmählich ein bisschen abgekühlt hatte.

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