Sonntag, 31. Juli 2016

1 Tag, 4 Länder

Tag 17

Die Augen petzen sich scharf zu kleinen Schlitzen zusammen, während der Mund sich weit öffnet, um erst einen gewaltigen Atemzug zu nehmen und anschließend die verbrauchte Luft aus den Lungen zu pusten. Dabei recken und strecken sich die eben noch so regungslosen arme in der frischen, aufheizenden Sommerluft. Ein Morgen, wie er sein muss. Der letzte Sand wird aus den Augen gerieben, die Gegend begutachtet und sich an der schönen Umgebung erfreut. Die Blätter an den Bäumen rascheln in einem milden Windhauch. Auf einmal kommt ein Danilo um die Ecke, er ist gut gelaunt und hält etwas in der Hand. 2 Bäckertüten mit köstlichem Allerlei. Ach ja richtig, wir sind ja noch auf Reisen.

In Wirklichkeit hoben wir uns die Leckerbissen auf und nahmen ein ausgezeichnetes Frühstück im nahe gelegenen Restaurant ein. 
Und anschließend gingen wir an den See zum Frühbaden. 

Das Wasser war noch ein ganzes Stück kälter als gestern, aber die Erfrischung nicht zu toppen. Zudem war es noch sehr leer, doch mit der Zeit füllte sich die Wiese mit kleinen und großen Familien, jungen Pärchen und Sportbegeisterten. Trotz der Menschentraube, die sich auf dem überschaubaren Platz am See ausbreitete, war es stets angenehm ruhig. Hier verstand man andere Leute Ruhe zu respektieren und zu wahren. Ein großer Pluspunkt für die Location! Wer ruhen wollte, der lag auf der Wiese, wer Wasserspaß wollte, der begab sich ins kühle Nass, wer Hunger bekam, suchte das wenige Meter entfernte Büdchen oder das dahinter gelegene Restaurant auf, wer Hummeln im Po hatte, konnte Besichtigungen machen, Kajak oder Kanu fahren, Rudern, Paddeln, Angeln, Wandern, Radfahren, die Möglichkeiten waren schier endlos. Und das ist wohl auch das Erfolgsgeheimnis dieser beliebten Urlaubsorte - jeder macht das, worauf er Lust hat. Wieder wurde es Mittag und wieder mussten wir etwas tun, um unseren Tatendrang zu stillen. Ab ins Auto und weiter geht's!

Wir verließen Slowenien und fanden uns in Italien wieder. In Raibl/Cave del Predil gab es eine, für mich, ganz besondere Attraktion zu bestaunen - den Raibler See/Lago del Predil. Schon oft genug und auch besonders im Laufe dieses Roadtrips wurde ich belehrt, dass es ländertypische, einzigartige geologische Meisterwerke tatsächlich aber mehrfach und überall auf der Welt gibt. Der Raibler See war für mich einmal wieder die Bestätigung dafür. Wer könnte bei diesem Anblick schon sagen, auf welchem Kontinent oder gar in welchem Land dieser Erde er sich gerade befindet?



hier, an einem Ort wie diesem, schmeckt ein Blaubeermuffin am besten! ...und eine Banane wohl auch

Der dichte, dunkle Nadelwald, gepaart mit Laubbäumen und Sträuchern gab der Gegend eine mystische Atmosphäre. Das grün-blaue, in die Tiefe gehende, glasklare Wasser, das so brach und kühl im Tal der Berge lag, fühlte den Ort mit etwas lebendigem und verlieh Frische und Reinheit. Ganz im Gegensatz zu dem stillgelegten, verlassenen, alten Bergwerk, das eher einen gespenstischen Eindruck machte. Doch das verschwand für den Moment in den Bergschluchten. Das Gemisch aus Kies und Sand gab dem See einen passenden Kontrast und spannende Pfade, die entdeckt werden wollten. Die massiven, ja gewaltigen Berge, die einfach so wie Giganten aus dem Boden empor ragten, legten einen drückenden, aber abenteuerlichen und wundervollen Charme über die Gegend. Wie sie da standen und ihre Gipfel hin und wieder von leichtem Dunst verschleiert wurden. Irgendwie fühlte ich mich sicher und geschützt zwischen ihnen. Die weite, aufgeschüttete Insel in mitten des Sees war bestückt mit kahlen Flächen, ebenso wie mit dichtem Wäldchen und weichen, hölzernen Wegen darin.



Man könnte hier wohl auf spannende Entdeckungstour gehen, doch dazu kam es leider nicht, da sich die Wolken türmten und bald die ersten, dicken Regentropfen auf unsere heißen, sonnengebräunten, nackten Schultern tropften. 
Auch wenn es ein kurzes Vergnügen war, so war es auch Liebe auf den ersten Blick und eines unserer geistigen Errungenschaften, die wir uns im Hinterkopf behalten, um eines Tages, mit mehr Zeit und gutem Wetter zurückzukehren.

Die Wolkendecke wurde dichter und dunkler, sodass wir versuchten aus der "Nasszelle" zu entkommen und fuhren gen Norden, wo es zumindest vorrübergehend besser aussah.
Zack, schon wieder hatten wir eine Ländergrenze passiert und standen nun in Österreich. Nun überlegten wir, wie es weitergehen sollte, und wo wir unseren heutigen Endpunkt setzen wollten. Nach ausgiebiger Berücksichtigung aller Gegebenheiten entschlossen wir uns für einen Höllenritt bis in die Nacht hinein, doch wir wollten nach all den Bergblicken endlich Wandern gehen und fuhren strikt durch bis nach Deutschland und Land 4 am heutigen Tage, um uns in Berchtesgaden niederzulassen.

Auf dem Weg hatten wir noch eine minder nette Begegnung mit einem Jäger. Der Weg nach Berchtesgaden war an einer Stelle gesperrt, sodass wir eine ellenlange Umleitung abfahren mussten, die uns durch die tiefste Walachei führte. Gerade kamen wir über eine Kuppe, als ich sagte "Schau mal, der hat sich bestimmt auch verfahren" und deutete dabei auf einen kleinen Wagen, der irgendwo auf einem Feldweg stand. Als wir dem Auto näher kamen, sahen wir, dass der Fahrer draußen stand, mit dem Oberkörper auf der Motorhaube abgelehnt und ein Gewehr in den Händen. Sein Lauf zielte auf die Straße, die wir in wenigen Sekunden entlangfahren würden. In Eile verfolgte ich seine Schussrichtung und erblickte auf der anderen Seite auf der Wiese am Waldesrand ein armes, unschuldiges Reh, das gerade sein Abendessen einnahm und vergnügt auf ein paar Grashalmen herumkaute. Panisch schrie ich auf und wir kamen zum Stehen. Das irritierte das Reh uns es blickte auf. Wir blickten das Reh an, dann blickten wir den Jäger an. Er hatte die Kugel noch nicht abgefeuert. Der Jäger sah uns an. Er war zu weit weg, als dass wir sein Gesicht gesehen hätten, doch es war uns schon klar, dass wir ihm gerade seine Beute streitig gemacht hatten. Er gab uns mit einem heftigen Wink zu verstehen, dass wir weiterfahren sollten. Das taten wir auch, das Reh hingegen blieb wie angewurzelt stehen, bis wir an ihm vorüber gefahren waren und beobachtete uns angespannt. Es ahnte schon, dass hier etwas mächtig stank. Ich getraute mich nicht einen Blick zurück zu werfen. Viel zu groß war die Angst das Tier fallen zu sehen. Danilo fuhr sehr langsam, sodass wir den Schuss hätten hören können, doch es fiel keiner. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hatten wir dem braunen, flauschigen Knäul mit den großen Augen das Leben gerettet und stellten uns vor, wie es nun weiter fröhlich im Wald umhersprang. Wir fuhren weiter unserem Ziel entgegen.

Dort kamen wir spät in der Nacht an, ohne Plan und Idee, wo wir bleiben sollten. Doch nach näherer Betrachtung schoben wir Flip ein paar Höhenmeter nach oben und fanden Rast und Rat auf dem Obersalzberg, der uns als Ruheort dienen sollte.

Samstag, 30. Juli 2016

Schee Bled

Tag 16

Die Sonne schien durch die Autoscheiben und leuchtete die winzigen, umherfliegenden Staubkörnchen an, als seien es Glitzerpartikel, die federleicht und unbeschwert durch den Innenraum von Flip schwebten und als sei es deren einzige Aufgabe zu funkeln und zu glänzen. Guten Morgen!

Wir hatten ausgezeichnet geschlafen und waren motiviert mit Tatendrang in den Tag zu starten. Was uns jedoch noch fehlte, war ein Frühstück. Doch nichts leichter als das, wir waren schließlich in einer Stadt! Zu Fuß suchten wir den Stadtkern auf und deckten uns in einer Bäckerei mit köstlichen Leckereien ein. Den Rückweg zum Auto dehnten wir etwas aus, um die sehenswerte, kleine Stadt etwas besser kennenzulernen. Besonders die Kapuzinerbrücke, die über die Sora geht, präsentierte sich in ihrem vollen Glanz und gleichzeitiger Bescheidenheit.

Satt von Eindrücken liefen wir zurück zu Flip und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Bled und dem gleichnamigen See. Da wir recht früh dran waren, erreichten wir die Stadt und genau weil wir so viel Zeit hatten, genehmigten wir uns einen schönen, schattigen und ruhigen Stellplatz auf dem Campingplatz. So mussten wir uns um keinen Parkplatz kümmern, uns nicht um Duschen und Toiletten sorgen und konnten den ganzen Tag nutzen, ohne uns um irgendetwas kümmern zu müssen.

Natürlich ging unser erster Gang an den Bleder See, an dem wir einige Stunden einfach nur faul herumlagen. Alles, was wir zu tun hatten, war die gelegentliche Wendung vom Rücken auf dem Bauch und umgekehrt, damit wir nicht verbrannten. Wenn es doch zu heiß wurde, tapsten wir ans Wasser und schwammen eine Runde in dem eiskalten Wasser. Es war derart kalt, dass wir bestimmt 10 Minuten brauchten, um bis zum Hals im See zu stehen, mit einem Ausdruck im Gesicht, der pures Leiden, aber stahlharte Disziplin ausdrückte. Füße im Wasser - okay. Knie im Wasser - oohokay. Oberschenkel - kaaaalt! Rest - wir müssen sterben! Kaum zu glauben, dass die kleinen Kids mit Anlauf in den kalten See sprangen, ohne mit der Wimper zu zucken. Von ihnen könnten wir noch einiges lernen.

In der brütenden Nachmittagshitze packten wir zusammen und verließen den See, um unsere Skateboards zu holen. Wir wollten die Gelegenheit schließlich nicht verpassen, eines der wichtigsten Wahrzeichen der Region zu besichtigen: Die Burg von Bled. 

Bereits von unserem Strand am See aus konnten wir das mächtige Bauwerk, das auf einem herausragenden Felsen erbaut wurde, von dem man einen hervorragenden Blick über den ganzen See und das drum herum ausschweifende Gebirge hat, bestaunen. Mit unseren Brettern fuhren wir den einwandfreien Fuß- und Fahrradweg am Ufer entlang. Danach erstreckte sich der überaus herausfordernde Anstieg zur Burg. Der Weg war ziemlich steil und beschwerlich. Es kostete uns einige Ausdauer und unzählige Schweißperlen, bis wir den Eingang erreichten. Nass und keuchend erkauften wir uns den Eintritt und krochen zur Bar, an der wir uns zwei Kaltgetränke sicherten, die uns die Lebensgeister zurückbrachten. Beim Softdrink-Schlürfen genossen wir den eben beschriebenen Ausblick. Nichts als dunkles, klares Wasser, Ruderboote und Badegäste, Wald und Gebirge und der helle, hohe Himmelskörper, der für die angenehme Hitze sorgte.


Akklimatisiert und mit Zucker versorgt, fanden wir bald die Kraft die Burg weiter zu besichtigen. Leider gab es hier keine Instruktionen, wie auf der gestrigen Burg. Wir waren wohl zu verwöhnt, was unsere mäßige Begeisterung, ja schon fast Enttäuschung erklären würde. Einige Sehenswürdigkeiten waren um die jetzige Uhrzeit bereits geschlossen und so wurde uns beispielsweise der sicherlich sehr interessante Einblick in die Schmiede verwehrt. Doch waren wir so glücklich, dass wir die Druckerei noch besichtigen konnten und lauschten dem jungen Mann in traditioneller Garderobe, der uns über die altertümliche Kunst des Buchdrucks aufklärte. Als der Name Johannes Gutenberg fiel, konnten wir nur müde lächeln, denn den kannten wir aus Gründen unserer Herkunft doch recht gut. Auch die Burgkapelle war einen Ausflug wert, obgleich wir uns den Eingang erkämpfen mussten, fand heute doch ein Konzert im Hofe der Burg statt. Der Soundcheck klang in unseren Ohren betäubend und grausam, weswegen wir keinen Wunsch hegten, dieses umworbene Event am späteren Abend zu besuchen. Wir verdrückten uns in die umliegenden Räumlichkeiten und versuchten die Geschichte der Burg zu erkunden. Was uns leider nicht so wirklich gelang, denn die Baut wurde an den meisten Stellen so sehr modernisiert, dass dieses so geschätzte Gefühl, sich in die damalige Zeit hineinversetzen zu können, nicht aufkam. Dennoch waren die Sicht, das bisschen Altertum, was noch übrig geblieben war, und die geschichtlichen Fetzen, die wir erfahren konnten, sehr einnehmend.









Die Mühen, die wir aufgewendet hatten, um den Fels am Nachmittag zu besteigen, wurden jetzt, am Abend mit einem hinabschiebenden Abstieg voller Entspannung belohnt. Danilo rollte mehr, als dass er lief, ich hingegen beobachtete sein Tun mit deutlich geringerer Geschwindigkeit. Unten angekommen, rollten wir dann zusammen zurück zum Campingplatz und freuten uns über eine seifenlastige Abkühlung in den Duschanlagen der Anlage. Anschließend gab es Abendessen - 2 Liter Suppe hatten wir noch im Gepäck, und die wollte nun endlich verdrückt werden. Mit dem letzten Gramm Gas bereiteten wir den "Gaumenschmaus" zu. Wenigstens konnten wir so das knochenharte Brot aufweichen und verdrücken. Im Leben werde ich wohl niemals wieder Gelüste nach Lauchsuppe haben.

Als der Abend sich neigte und das Tageslicht mit einem gewaltigen Happs verschluckte, halfen wir uns mit einer natürlichen Lichtquelle aus. Neben unserem kompakten Wohnmobil lagen ein paar große Steinbrocken. In unmittelbarer Entfernung stand ein Grill und dazugehörige Kohle und Grillanzünder, die die Besitzer hier zurückgelassen hatten. Daran bedienten wir uns mäßig und errichteten eine Feuerstelle, die uns in der recht kühlen Nacht Wärme und Licht spendete, sodass wir unserer täglichen Dosis Kartenspielen nachkommen konnten. 

Was ein Tag! Und morgen sollte es nicht minder schön werden!

Freitag, 29. Juli 2016

Ein Wechselbad der Gefühle

Tag 15

Morgens wurden wir von fröhlichem Kinderlachen, Badespaß und Sonnenschein geweckt. Der erste Blick war jener aufs offene Meer und die salzige, warme Luft wehte uns durch die zerzauste Morgenfrisur.
Ein kleines Frühstück, eine herzliche Verabschiedung und dann schnurrte Flips Motor schon wieder, um uns eine Etappe weiter zu transportieren.

Ohne, dass wir es so geplant hätten, waren wir mit einem Ruck schon wieder in Slowenien. Das ging verdammt schnell. Also, tschüss Kroatien, war nett mit dir! Wir merkten aber erst, dass wir die Grenze überschritten hatten, als wir in einem kleinen Laden auf Nahrungssuche gingen. Die Verkäuferin klärte uns auf. Nun gut, auf der Strecke durch Wald und Wiesen war keinerlei Hinweis darauf gegeben, dass man soeben eine Landesgrenze passiert hatte.

Aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen hatten wir beide Heißhunger auf einen wohlnährenden Eintopf. Nichts leichter als das, Dosenfutter gab es in dem Tante Emma Lädchen mehr als genug. Bewaffnet mit 2 Dosen Bohneneintopf mit Speck marschierten wir aus der Tür und suchten uns bald einen schattigen Platz, um die Köstlichkeit zuzubereiten. Der Parkplatz eines Firmengeländes schien uns günstig. Wir parkten Flip so, dass er uns Sichtschutz gab. Dann bauten wir den Gaskocher auf und sahen zu, wie die Leckerei langsam an Temperatur gewann. Bei der Hitze am heutigen Tage hätten wir die Dosen wohl auch einfach eine halbe Stunde in die Sonne stellen können, aber sei es drum. So, dann mal gute Hunger.
Sieht aus wie Lamakotze...Wie ausgehungert muss man sein, um SO ETWAS zu als schmackhaft zu empfinden?

Satt und zufrieden. Und überfressen. Restlos körperlich überfordert räumten wir zusammen und erklimmten wie zwei schwangere Eichhörnchen die Fahrer- und Beifahrersitz. Das Zeug lag uns schwer und quer im Magen. Irgendwie brachte das Mittagessen so gar nicht den Effekt, den wir uns erhofft hatten. Ein Spaziergang könnte helfen. Und denn machten wir in einem Museum.

Der Park der Militärgeschichte in Pivka übertraf unsere Vorstellungen eines Museums um Weiten. Angesetzt sind ca. 2 Stunden Besuchszeit, doch man kann sich mit Leichtigkeit mehrere Tage hier aufhalten, um alles genauestens zu studieren. Eine riesige Sammlung an Panzern, Artillerie und Flugzeugen, sogar ein jugoslawisches U-Boot sprechen Bände der Kriegsgeschichte. Herausstechend sind der erste und zweite Weltkrieg, sowie der Kampf bis zur Unabhängigkeit Sloweniens.

Nachdem wir in den letzten Tagen so viel Schönheit und Faszination erleben durften und uns immer wieder aufs Neue in die Natur und ihre herrlichen Spielereien verliebt haben, ist es kaum vorstellbar, dass es menschliche Konflikte gibt, die eben diese durch ihren Machtkämpfe und Gefechte zerstören. Welche Unstimmigkeit, Beleidigung oder Uneinigkeit kann schon so groß und von Bedeutung sein, dass unschuldige Menschen, Kinder, Tiere und Natur darunter leiden müssen und unwiederbringlich vernichtet werden? Manchmal wünschte ich, eben diese Leute, die ihre Freigabe für Anschläge, Ausschreitungen und Kriege geben, könnten die Welt durch unsere Augen sehen. Denn dann könnte es niemals einen Grund geben, etwas so Wertvolles, so Beeindruckendes und Beruhigendes aufs Spiel zu setzen.

Etwas betrübt und geschichtsüberlastet traten wir aus den Museumsgebäuden hinaus, zurück in das strahlende Tageslicht, an das wir uns erst wieder einige Minuten gewöhnen mussten. Schweigend setzten wir unsere Route fort, jeder für sich in Gedanken versunken, starr aus dem Fenster blickend und betroffen. Es ist nicht schlecht sich ab und zu die Unschönen Dinge der Weltgeschichte und auch der Gegenwart in den Sinn zu rufen. Umso mehr kann man schätzen, was wir doch haben. Glück.

Auf uns wartete bereits die nächste Attraktion. Das Predjama Castle.
Flip stellten wir auf dem Parkplatz ab und folgten der Jazzmusik, die uns an den Eingang der Burg führte. 3 junge Musiker spielten und jamten hier zur Unterhaltung der Besucher, ganz vergnügt und ausgelassen, sodass wir ihnen gerne ein paar Groschen in den Hut schmissen, denn den Spaß und die Freude, die die drei dabei hatten, steckte uns alle an.


Der Eintrittspreis für die Burg lohnte sich dreimal. Am Eingangstor bekamen wir einen elektronischen Tourguide ausgehändigt, in Muttersprache. Zuerst kamen wir uns dabei ziemlich dämlich vor, wie wir jeder für sich mit einem Ohr an dem Lautsprecher des Guides hingen und uns irgendeine Rittergeschichte anhörten. Aber die Art und Weise, sowie auch die wahre Geschichte waren sehr gut gemacht und ziemlich beeindruckend. In unserer Besichtigungsvitae würden wir die Burg Predjama sogar beide auf die Spitzenreiterposition setzen, denn die Architektur und Idee dahinter ist wirklich einzigartig.



Ein Danilo überschaut sein geweihtes Land

Dass der bekannteste Burgherr, Erasmus von Luegg, auf den die Todesstrafe ausgesetzt war, beim Gang zum Stillen Örtchen seinen Tod fand, als er mit Steinkugelgeschossen erschlagen wurde, stimmte uns lustig und erschrocken zugleich. Dabei hatte er es doch so wunderschön hier. 

Nach dieser Besichtigung ging das alte Spiel wieder los. Wo schlafen wir heute 
Zunächst fuhren wir noch ein Stück weiter auf unserer Route, um morgen weniger Fahrt zu haben. Der Weg führte uns durch mystische und zauberhafte Waldlandschaft. Ihr wisst schon, jene mit dem weichen, saftig grünen Moos, den gnomähnlichen Felsen, den wehenden, im Wind tanzenden Bäumen, die das Sonnenlicht wie magische Glitzerstrahlen durch die Luft sausen lässt, um das Grün am Boden noch heftiger leuchten zu lassen. Die Landschaft wechselte immer zu zwischen Wald und Gebirge. Ob man sich irgendwann einmal daran satt sieht?

In Skofja Loka allerdings war nun Schluss für heute. Dort fanden wir den perfekten Parkplatz. Im Schutze der Bäume konnten wir uns ein wenig abschirmen und eine ruhige, erholsame Nacht mit Flussgeplätscher verbringen. Morgen würden wir uns die kleine Stadt einmal genauer ansehen.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Eine geballte Ladung Schönheit

Tag 14

Irgendwas reißt mich aus dem Schlaf. Eine Melodie. Ein Weckton. Meine Augen, noch total verklebt und dick blinzeln und ich versuche mich an das helle Licht zu gewöhnen. Ich liege nicht in Flip, ich liege auch nicht im Zelt. Wo bin ich?! Langsam dämmert es mir und ich erinnere mich. Neben mir liegt ein verpennter Danilo, dem es ganz ähnlich geht wie mir. Aber nach ein paar Minuten hatten wir unsere Gedanken gefasst und wagten uns aus dem Bett aufzustehen. Etwas wackelig, halb schlaftrunken, aber es klappt. Eine Dusche hilft.
Relativ fit und wieder unter den Lebenden, im Gegensatz zur Nachbarschaft, die keinen Mucks von sich gibt. Selbst nicht, als wir Flip wieder bepacken, herein und herauslaufen. Ein ganz schön verschlafenes Nest hier. Nur Benno, der alte, gemütliche Hund der Besitzerin zeigte Interesse an uns und schlich uns mit wedelndem Schwanz durch die Beine, während wir versuchten in die Pötte zu kommen. Bald war alles verstaut und wir startklar. Eine kurze Verabschiedung von Benno und ab dafür!
Tschüss Benno!

Ich muss zugeben, ich war schon ziemlich aufgeregt bezüglich des heutigen Ausflugs. Zwar hatte ich schon viel von den Plitvicer Seen gehört, konnte mir aber doch kein rechtes Bild davon machen, was uns erwarten würde. In einem Prospekt wurden wir von Bären, Wölfen, ja sogar von Spechten gewarnt. Na, mal abwarten.
Bald erreichten wir den Eingang und parkten Flip auf Parkplatz 1. Danach suchten wir die Kasse auf und ließen einen stolzen Preis zurück, dafür hielten wir 2 Eintrittskarten für den wohl zumindest flächenmäßig größten Nationalpark Kroatiens in den Händen. Für Studenten gab es einen ansehnlichen Nachlass. Doch bevor wir den Park betraten, entschlossen wir uns auf mehrfachen Rat unser Schuhwerk zu wechseln. Etwas gequält legten wir unsere geliebten Flipflops ab und ersetzten sie durch mehr oder minder festes Schuhwerk. Jetzt konnte es aber losgehen!
Der älteste Nationalpark Südeuropas, das war er also. Ebenso einer der wichtigsten und bekanntesten Drehorte aus den Winnetou-Filmen. Wollen wir doch mal sehen, was der so zu bieten hat!

Über einen hölzernen Steg wird man in den Nationalpark hineingeführt - eigene Pfade bestreiten ist hier natürlich untersagt und das ist wohl auch ganz gut so, bei einer durchschnittlichen Summe von 1 Mio. Besucher pro Jahr gibt es genug Nasen, die hier sonst ein draus machen würden, zu Lasten der Natur und der Tiervielfalt. Die ersten Aussichtspunkte waren bereits, im wahrsten Sinne des Wortes, a.t.e.m.b.e.r.a.u.b.e.n.d. und so konnte man keinen Besucher verurteilen, wenn er mit offenem Mund stehenblieb, um die Pracht dieses erdischen Paradises zu begreifen. 
So sehr man auch versucht diese Sicht fotografisch festzuhalten, es gelingt einem doch nicht. Denn es ist mehr als nur die blanke Optik, die sich hier auf die Sehnerven herablässt und die Nervenströme des Gehirns durcheinanderbringt. 



Eine kleine Gänsehaut kündigte sich jedes Mal von neuem an, wenn ich das Ausmaß an grüner und blauer Fülle, an perfekter Entfaltung der Natur auf mich wirken ließ. Man beachte, dass wir leider nicht das Glück hatten, das alles in strahlendem Sonnenschein, sondern eher unter dicken Wolken und Nieselregen zu bestaunen, und trotzdem wirkte dieser Zauber. Vielleicht auch gerade deswegen. Der Weg führte uns an einem glasklaren See nach dem anderen, einem reißenden Wasserfall nach dem nächsten und einer Gänsehaut nach der weiteren vorbei.


Schließlich gelangten wir an den ersten Rastplatz und da wir nicht genügend Proviant eingepackt hatten, wollten wir uns hier, in dem überteuerten Restaurant eine Kleinigkeit gönnen. Wie es sich gehört, war der Burger, den wir uns teilten, teuer, eklig und kalt. Aber für den Moment gaben unsere Bäuche Ruhe.
Außerdem überbrückten wir damit die Wartezeit für das Boot, das uns ein Stück über einen der Seen kutschieren sollte. Das tat es auch, aber ich habe niemals zuvor etwas derartig langweiliges und bescheuertes getan. 

Während sich ring um uns herum die dollsten Naturspektakel, die irrsinnigsten Fels- und Pflanzformationen rekelten, um von uns bestaunt zu werden, saßen wir mit einem Schwarm an Selfie-Königen und -Königinnen auf einem schwimmenden Untergrund in mitten eines Sees und bekamen von all der Faszination keinen Wind mit. Darum waren wir froh, als wir von dem Ding herunterkamen und uns unseren Weg wieder selbst suchen konnten, denn die Verzweigungen der Wanderwege waren vielfältig. Ab jetzt liefen wir in die Richtung, die uns gefiel und entdeckten überall tolle und einzigartig schöne Plätze. Wir wussten ja nicht, dass wir auf das Boot noch einmal angewiesen sein würden.













Stundenlang liefen wir umher und ließen die Kraft und die Magie des Nationalparks auf uns wirken, bis unser Wasservorrat aufgebraucht, unsere Füße platt gelaufen und unsere Speicherkarte im Hirn bis zum letzten Kilobyte gefüllt waren. 





Nun wollten wir langsam den Rückweg antreten und begaben uns wieder zurück Richtung Wasser, zurück Richtung Boot.
Oh Schreck, wurde uns bewusst, dass man bloß 1x frei Bootfahren darf. Erkaufen kann man sich die Fahrt auch nicht. Wie gut, dass wir unsere Freifahrt für das Umherschippern über den See verballert hatten, anstatt es für die Überfahrt des keinen Stücks hier zu nutzen, das uns nun einen 1-stündigen Umweg bescherte und eine zusätzliche, aber kostenfreie Fahrt mit der Elektrobahn. Den Umweg hätten wir wohl auch lieber in Kauf genommen, wäre uns das Wasser nicht ausgegangen, vor allem, wenn es so warm und schwül ist und die Wasserflasche selbst eher eingeht, als einen letzten, erfrischenden Tropfen Nass auszuspucken.

Ziemlich dehydriert und platt erreichten wir endlich den Startpunkt und ein weiterer kleiner Marsch führte uns zurück zu unserem Flip, in dem wir unseren Durst stillen konnten. Von all den Strapazen die letzte Stunde ließen wir uns die gesammelten Eindrücke natürlich nicht kaputt machen - es war ein sagenhafter Ausflug und ich kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen.
Woher ihr die Plitvicer Seen kennt? Na, vielleicht aus den Winnetou Filmen. Der berühmt berüchtigte Silbersee liegt im Gebiet des Nationalparks und viele weitere bekannte Drehorte befinden sich hier.
Nun, abschließend lässt sich nur eine Glanznote für den Ausflug aussprechen: Summa cum laude für die Plitvicer Seen.

Jetzt aber wartete der Rückweg auf uns, der bei Tageslicht jedoch wesentlich angenehmer zu bewältigen war. In Klenovica, einem kleinen Ort in der Kvarner Bucht, unweit von Rijeka entfernt, fanden wir den optimalen Platz zum Nächtigen. Zuerst erblickten wir ebene Fläche unten am Strand, was hier in Kroatien ja nicht all zu oft vorkommt. Beim zweiten Blick erkannten wir, dass dort unten Camper standen und wurden neugierig. Also versuchten wir irgendwie dort hinunter zu kommen, was zunächst gar nicht so einfach war. Erst über eine wirklich fiese Steinpiste ruckelten wir uns den richtigen Weg nach unten und begutachteten den Platz. Dann erst lasen wir die Nummernschilder der anderen Camper, natürlich waren es Deutsche. Aus Sachsen. Mit einer Sprachbarriere der anderen Art erkundigten wir uns nach der Lage und der Übernachtungsmöglichkeit und ehe wir uns versahen, war Flip geparkt, unsere Campingstühle neben dem Lager der Anderen aufgestellt und wir vollstens in die Urlaubsgemeinde integriert. Diese bestand aus 2 deutschen Familien mit je 2 Kindern, einem Hund mit Stimmungsschwankungen, einem jungen, französischen Pärchen und ein Paar einheimischen Anglern. Mit einer Mischung aus Deutsch, Sächsisch, gebrochenem Französisch und abenteuerlichem Englisch auf Akzent führten wir eine Konversation über Gott und die Welt, die bis in die Nacht hinein andauerte. Nebenher angelten die Kinder in der Adriaküste und wir alle waren Zeugen, wie die kleine Meggy ihren ersten, eigenen Fisch angelte. Welch ein Erfolg!
Es war ein gemütliches und nettes Beisammensitzen und für uns wieder einmal die Bestätigung, das Reisen keine Alterssache ist. Ich meine sogar, die Kinder hatten hier mehr Spaß als in einer Ferienanlage mit Kinderdisco und Animation. Jedenfalls war es schön ihnen zuzusehen. Doch irgendwann packte uns die Müdigkeit. Ein Abend unter freiem Sternenhimmel, in guter Gesellschaft und Sternschnuppen, das nenne ich eine gelungene Abrundung des Tages. Wir verabschiedeten uns und verkrochen uns in unsere Löwenhöhle. Ich muss ja schon zugeben, ich hatte Flip und seinen imaginären Komfort in der letzten Nacht doch etwas vermisst.